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Nach den Kaskaden an Überwachungsgesetzen und dem Kleinreden von Freiheit, Bürgerrechten und Datenschutz während der letzten Regierungsjahre der Großen Koalition ist es nun Zeit für einen Neuanfang. Mit über 30 anderen ErstunterzeichnerInnen wenden wir uns an die FDP und die Grünen, damit eine Kehrtwende für eine menschenwürdige digitale Gesellschaft startet: nicht, um "Datenschätze zu heben", sondern um Digitalisierung selbstbestimmt und in Achtung unserer Bürger- und Grundrechte zu gestalten.

Digitalisierung im Gesundheitswesen wird heiß diskutiert – worum es dabei geht ist für uns als Patienten oftmals nicht überschaubar. Nach einem Kurzvortrag zum derzeitigen Stand der digitalen Vernetzung im Gesundheitswesen wollen wir gemeinsam die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in einen breiteren Kontext setzen. Die elektronische Gesundheitskarte, Fitnesstracker und Big Data im Gesundheitswesen sind Entwicklungen die weit über den Datenschutz hinausgehende Fragestellungen aufwerfen. Wir laden Sie dazu ein, diese mit uns zu diskutieren.

Die Veranstaltung findet am 19.10.2017 um 19:00 in den Räumlichkeiten der Evangelischen Studierendengemeinde (Turnseestraße 16, Freiburg) statt.

Um Anmeldung per E-Mail bis zum 16.10.2017 wird gebeten.

Vor einiger Zeit wollte ich eine Apple ID von einem nicht mehr verwendeten iPhone löschen. Ich dachte, kein Problem, eben einloggen, löschen anklicken, fertig. Aber nichts da. So einfach macht Apple es einem nicht. Nach kurzer Suche war dann aber doch eine Lösung gefunden. Online ist dies nicht möglich, man muss hierfür den Apple Support telefonisch kontaktieren. Das klingt erstmal ziemlich umständlich, und das war es auch. Aber zugleich höchst unterhaltsam.

Man ruft also bei Apple an und bittet den Support Mitarbeiter darum, die Apple ID zu löschen. Man muss sich etwas rechtfertigen, aber wenn man dann etwas Überzeugungsarbeit geleistet hat, dass man das tatsächlich möchte, geht es weiter. Der Support Mitarbeiter darf einem jedoch nicht direkt weiterhelfen, sondern muss den Anrufer hierzu an seinen Vorgesetzten verbinden. Diesem erklärt man also erneut sein Anliegen und muss dann einige Fragen beantworten um zu beweisen, dass man auch tatsächlich der Inhaber der genannten Apple ID ist. Soweit so gut.

Dann beginnt der unterhaltsame Teil. Der Mitarbeiter liest einem eine Reihe Texte vor mit denen sich Apple rechtlich absichern möchte. Also, dass die Daten danach weg sind, man es nicht rückgängig machen kann, und so weiter. Nach jedem Absatz wird man dann gefragt ob man es verstanden hat und weitermachen möchte. Eine ziemlich langwierige Angelegenheit die gut und gerne 15 Minuten gedauert hat.

Auf der einen Seite natürlich ziemlich zeitaufwändig und umständlich für den Kunden, aber auch für Apple. Ich fand es jedenfalls unterhaltsam mir vorzustellen, wie ein Callcenter-Mitarbeiter, der auf Teamleiter-Ebene arbeitet, sich Seite um Seite an einem ewig langen Script entlang hangeln muss. Und anstatt mich darüber zu ärgern, wie mir meine Zeit geklaut wird, habe ich es als Unterhaltung genossen und währenddessen über die Effektivität des Ganzen nachgedacht.

Wenn man jedenfalls die Datenschutzerklärungen, welche man im Rahmen der Anmeldung zu Online-Diensten präsentiert bekommt über das Telefon vorgelesen bekommen würde, wäre das vielleicht gar nicht so verkehrt. Das Ganze wäre extrem zeitaufwändig und teuer für Unternehmen, was einen Anreiz schaffen würde die Texte kurz und verständlich zu halten. Und ich schätze, dass es auch auf Seiten der User ernster genommen würde. Wenn man nur den kleinen Haken „Ich willige ein, dass meine Daten ...“ setzen muss ist der Anreiz sich inhaltlich damit auseinander zu setzen ja schließlich doch eher gering.

In einem kürzlich erschienenen Artikel wird zum wiederholten mal aufgezeigt wohin das     Speichern und Auswerten von Digitalen Informationen führen kann. Es ist gefährlich, mit einer vermeintlichen Erhöhung der Sicherheit willkürliche Datenspeicherung voranzutreiben. Dass der Preis für angeblich höhere Sicherheit eine solche Einschränkung der Medienfreiheit sowie der Persönlichkeitsrechte sein soll, ist nicht akzeptabel. Denn beide sind wichtige Säulen unserer Demokratie, welche wohl den größten Beitrag zu unserer Sicherheit liefert.

Am Mittwoch den 19. Juli sind wir bei der Evangelischen Studierendengemeinde in Freiburg (Turnseestr. 16) zu Gast. Wir werden dort ab 20 Uhr mit Mitgliedern der ESG zum Thema "Gamification und Alltagsüberwachung als gesellschaftliches Phänomen" diskutieren. Weitere Teilnehmer sind herzlich willkommen! Bei Interesse einfach vorbeikommen.

Am kommenden Montag ist Selbstbestimmt.Digital unter dem Titel "Was Facebook, Whatsapp und Co. über Sie wissen" bei der Volkshochschule Freiburg zu Gast. Nach einem groben Überblick zu den rechtlichen Rahmenbedingungen, werden wir einen Einblick in den Wert personenbezogener Daten geben und erläutern wie die Geschäftsmodelle hinter den scheinbar kostenlosen Online-Diensten funktionieren. Anhand von praktischen Beispiele versuchen wir die Möglichkeiten moderner Analysemethoden aufzuzeigen. Zusammen mit Teilnehmern werden anschließend die Datenschutzbestimmungen bekannter Online-Dienste analysiert und gegenübergestellt.

Bei Interesse, kommt einfach vorbei. Die Veranstaltung findet am 22.05.2017 um 20:00 im Schwarzen Kloster (Rotteckring 12), Raum 204 statt. Kosten: 6 Euro (Abendkasse)

Update 23.05.2017: Das Handout mit Linksammlung ist nun verfügbar.

Welche Rolle spielt Social Media im Wahlkampf? Und wo lauern die Gefahren? Während bei der Wahl von Barack Obama im Jahr 2008 die Nutzung von Social Media bereits eine große Rolle gespielt hat, so ist auch nach der letzten US-Wahl eine erneute Diskussion um dieses Thema entbrannt. Neben den in den Medien stärker vertretenen Diskussionen rund um Filter Bubbles und Fake News macht nun ein weiteres Thema die Runde. Es geht um die Nutzung von Big-Data-Analysen, von psychologischen Profilen und um ein zielgenaues Ansprechen (sogenanntes Micro-Targeting) potentieller Wähler.

Wie das "Magazin" des Schweizer Tagesanzeigers berichtet, war die Firma Cambridge Analytica sowohl für die Kampagne der Brexit-Befürworter als auch für Trumps Wahlkampf engagiert. Sie verfügen nach eigenen Angaben über psychologische Profile (sogenannte Psychogramme) der Wähler und stellen darauf basierend Dienstleistungen zum zielgenauen Ansprechen potentieller Wähler zur Verfügung. Die dafür verwendeten Daten stammen zum Teil aus Facebook-Likes und werden sowohl online als auch offline genutzt, um Wähler mit persönlich abgestimmten Botschaften anzusprechen. Alexander Nix, CEO von Cambridge Analytica, erläuterte dies jüngst auf der Concordia Summit.

Dabei ist sowohl die Herkunft der Daten als auch die Art der Nutzung für die betroffenen Wähler höchst intransparent. Kommerzielle Datenhändler ermöglichen es entsprechenden Firmen, sich ein umfassendes Bild eines Haushalts oder einer Person zu machen und stellen hierfür Daten aus den verschiedensten Lebensbereichen zur Verfügung. Dies ist zwar sehr umstritten, stellt an sich aber erst einmal nichts Neues dar. Nun wird es aber durch die Vielfalt an Daten und die als Big Data bezeichneten Analysemöglichkeiten zu einer höchst brisanten Entwicklung. Es geht nämlich nicht mehr um einzelne Datenpunkte, wie z.B. das Einkommen eines Haushalts, sondern um psychologische Charakterzüge, die durch statistische Modelle aus den zur Verfügung stehenden Daten abgeleitet werden.

Im US-Wahlkampf wurden solche Psychogramme scheinbar genutzt, um Wählern zielgenaue Werbebotschaften anzuzeigen mit dem Ziel, sie aufgrund ihrer politischen Einstellung und ihres Charaktertyps zur "richtigen" Wahlentscheidung zu überzeugen. Und dies sowohl online, im News-Feed Sozialer Netzwerke als Beiträge getarnt, als auch beim Ansprechen von Wählern beim Gespräch an der Haustür. Neben der Werbung für die Wahl an der richtigen Stelle wurden aber auch Meldungen verbreitet, die bestimmte Wählergruppen des gegnerischen politischen Lagers von der Wahl fernhalten sollten. Man kann sicherlich bezweifeln, ob die angesprochenen Wähler eine solche Ansprache überhaupt als Wahlwerbung erkennen. Die Tatsache, dass personenbezogene Daten genutzt wurden, um auf die Einzelpersonen zugeschnittene psychologisch möglichst überzeugende Nachrichten zu erstellen, dürfte jedoch bis dato nur sehr wenigen bewusst gewesen sein.

Es ist wichtig, auf die vielfach geäußerten Zweifel zu tatsächlichem Umfang, Effektivität und Qualität der Methoden hinzuweisen. Auch das vermeintlich "allem einen Sinn gebende" Technologie-Argument kann für sich genommen so komplexe Phänomene wie den Brexit oder Trumps Wahlsieg nicht vollständig erklären. Doch geht es um die grundsätzliche Entwicklung, welche man kritisch hinterfragen sollte. Inwiefern solche Methoden das Ergebnis der vergangenen US-Wahl bereits beeinflusst haben und für die Manipulation kommender Wahlen in Europa und weltweit relevant werden könnten, ist ohne Zweifel eine interessante und drängende Fragestellung. Daher ist es wichtig, bereits jetzt eine breite Debatte zur verdeckten datengestützten Wählermanipulation zu führen und an den in Europa derzeit gültigen Datenschutzstandards festzuhalten und sie eventuell zu verschärfen. Die Grenze zwischen Wahlwerbung als (scheinbar) legitimer und Wahlmanipulation als illegitimer Form der Wählersteuerung beginnt nämlich bereits jetzt zu verschwimmen. Die Freiheit von Wahlen und der Demokratie insgesamt steht damit auf dem Spiel.