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Corona-App: Ein erster Überblick zur Entscheidung

Nun ist sie also da, seit dem 16. Juni 2020 - die Corona-Warn-App. Wir haben mit Freude die intensiven Debatten um die Datenspeicherung, Zugriffsfragen und Datenschutz mitverfolgt und mitgestaltet (siehe unser Radio-Interview). Die App scheint als Teil der Maßnahmen (Tests, Abstand, Hygiene etc.) zur Pandemie-Bekämpfung durchaus vielversprechend. Es gibt sehr gute Gründe, die App zu installieren. Und solche, die eher dagegensprechen. Dank Anne Schwarz (@akaer) und dem Ticker des D64 sowie einer exzellenten Pressemitteilung des FifF können wir euch einen ersten Überblick geben - für eure ganz selbstbestimmt digitale Entscheidung:

Anne Schwarz via D64-Ticker:

"Ist die App sicher? Kommt darauf an, wen man fragt. Prominente Vertreter der "Njet!"-Meinung kommen von Digitalcourage, TÜVit (wobei der scheinbar zurückrudert) und der Uni-Darmstadt; auf der anderen Seite stehen der Chaos Computer Club, Netzpolitik und Einzelpersonen wie z.B. Laura Sophie Dornheim, die an der App zwar auch viele Baustellen finden, diese aber für weniger riskant halten. Der CCC empfiehlt die Installation der App nicht - das machen die aus guten Gründen nie. Kein vehementer Protest bei so einem prominenten Datenschutz-Thema ist beim CCC aber fast schon ne Vertrauenserklärung (frei nach meinem schwäbsichen Schwiegerpapa „Net gschempft, isch g'lobt g'nuag.“)."

"Bringt sie überhaupt was zur Bekämpfung von Corona? Grundsätzlich kann sie was bringen, als Teil einer größeren Gesamtstrategie - aber wie effektiv sie sein wird, hängt von zu vielen Unbekannten ab (Infektionsraten, "Superspreader"-Events, wieviele Leute installieren das Teil etc.). Eine wirklich verlässliche Aussage auf wissenschaftlicher Basis traut sich gerade keiner zu treffen. Erfahrungsberichte anderer Länder, die ähnliche Technologien bereits einsetzen (drei Beispiele verlinkt hier Patrick Beuth bei SPON), sind zwar informativ, aber nicht direkt übertragbar. Es ist ein Experiment. Müssen wir also erstmal durchführen, um zu wissen was dabei rauskommt."

"Was gefällt netzpolitischen Expert:innen daran? Erstmal finden so ziemlich alle die Verwendung des dezentralen DP3T-Ansatzes gut, den er macht viele Schweinereien im Datenschutz schwerer oder unmöglich. Darüber hinaus loben der Chaos Computer Club und andere, dass der Quelllcode frei zugänglich ist (nämlich hier), und dass sich SAP und Telekom für Verbesserungsvorschläge wirklich interessieren und diese auch recht schnell und transparent lösen."

"Was gefällt netzpolitischen Expert:innen NICHT daran? Hier gibt es eine technische und eine politisch-gesellschaftliche Sicht. Technisch wird insbesondere das Thema Bluetooth (Angriffsfläche für z.B. Wurmloch-Attacken, Bluetooth Low Energy nicht auf allen Smartphones verfügbar) und die Google/Apple-Einbindung kritisch gesehen (z.B. von digitalcourage). Politisch-gesellschaftlich bemängelt u.a. Anke Domscheit-Berg in der ARD, das drei elementare Dinge bisher fehlen: einer harte Befristung (also terminiert), eine unbedingte Zweckbindung (App darf niemals für etwas anderes verwendet werden als den ursprünglichen Zweck) und eine Festschreibung der Freiwilligkeit. Letztere könnte man z.B. mit einem Begleitgesetz realisieren, wie es Eren Basar vom Deutschen Anwaltsverein oder Markus Beckedahl in netzpolitik vorschlägt."

"Erklärvideos und FAQs:
Ein schönes, kurzes Erklärvideo zum warum-wieso-und-wie hat die Süddeutsche auf ihrer Seite, auch der SPON hat eins zu bieten.
Einen sehr ausführlichen FAQ bietet netzpolitik, etwas weniger technisch ist die Tagesschau unterwegs."

(Danke, liebe Anne Schwarz, für diesen tollen Überblick!)

Außerdem gibt es noch Fragen hinsichtlich der kompatiblen Smartphones (eine schöne Übersicht hierzu bietet t3n), Schwachstellen in der Pseudonymität durch den Medienbruch (siehe dazu golem und bfdi.bund) sowie noch zu nehmenden Hürden, dass die App problemlos grenzüberschreitend in ganz Europa laufen kann.

Und hier gehts zur Pressemitteilung des FifF: https://www.fiff.de/presse/dsfa-corona-digiges